Bundeswehr-Rekrutierung
Die Eroberung der Schulen. Wie die Bundeswehr an Bildungsstätten
wirbt.
Perspektiv- und Aktionskonferenz "Es lernt sich besser ohne Helm"
17. März , 10:30 - 16:30 Uhr, Düsseldorf, DGB-Haus , Friedrich-Ebert-Str. 34-38
Die Diskussion um die Bundeswehr-Werbung an Schulen und darüber hinaus hat im letzten Jahr auf breiter Ebene stattgefunden. An Schulen, bei den Schülervertretungen, in der Friedens- und antimilitaristischen Bewegung, in Jugendorganisationen, in der GEW und anderen Gewerkschaften, im Landesjugendring, in Parteien, in kirchlichen Organisationen und auch im Landtag wurde darüber debattiert. Bei Vielen herrscht ein Unbehagen gegen die Präsenz der Bundeswehr gerade an Schulen vor, allerdings sind die Konsequenzen daraus unterschiedlich. So hat der Staatssekretär im Schulministerium Herr Hecke in einem Schreiben an unser Bündnis bestätigt, dass der Zugang der Bundeswehr zur Lehrer-Aus- und Weiterbildung gestrichen werden soll. Und es mehrt sich die Zahl derjenigen, die klar die Forderung nach Kündigung der Kooperationsvereinbarung zwischen Schulministerium und Bundeswehr unterstützen.Info-Veranstaltungen zu Bundeswehrwerbung an Schulen
Termine:
2. September, Aachen, "Bundeswehr an Schulen?", VA: Arbeitskreis Antimilitarisierung im AFP in Kooperation mit der Evangelischen Stadtakademie Aachen und pax christi Aachen, Flyer hier
13. September, Paderborn, "An der Heimatfront - Wer dient wem?", VA: Linksforum Paderborn, Paderborner Initiative g.d. Krieg, pax christi Paderborn, GEW Paderborn, Flyer hier
15. September, Oberhausen: Werben fürs Sterben - Schule und Bundeswehr", CVJM-Haus, Marktstr. 152, Oberhausen-Zentrum, Beginn: 20.00 h. VA: Oberhausener Friedensinitiative, Bündnis gegen den Krieg, DFG-VK Oberhausen, Flyer hier
Schule ohne Bundeswehr auch Thema beim diesjährigen
Ostermarsch Rhein/Ruhr
Mit einem
eigenen Block beteiligten sich das Bündnis
"Schule ohne Bundeswehr NRW" am Ostermarsch in
Düsseldorf. Ein
eigener Lautsprecherwagen mit fetziger Musik vorweg und Fahnen und
Transparenten machten die Forderung nach dem Ende der
Bundeswehr-Werbung
an Schulen deutlich sichtbar. Robin Cramer von der
LandeschülerInnenvertretung hielt bei der Abschlusskundgebung
eine
mit viel Beifall bedachte Rede . Das war auch dem
WDR-Lokalfenster einen Beitrag wert.
Mahnwache fordert Abgeordnete zur Kündigung der Kooperationsvereinbarung auf
„Schule
ohne
Bundesgewehr“ war auf dem Transparent zu
lesen, mit dem Mitglieder und
Unterstützer des Bündnisses
„Schule ohne
Bundeswehr NRW“ am 30. März vor
dem Landtag in Düsseldorf protestierten. Drinnen stand der
Antrag der Fraktion
„Die Linke“ auf der Tagesordnung, die 2008
geschlossenen
Kooperationsvereinbarung zwischen Schulministerium und Bundeswehr
aufzukündigen. Das
Bündnis
aus Friedensgruppen, antimilitaristischen und antifaschistischen
Gruppen,
Schülervertretung und Gewerkschaften sieht in der
Kooperationsvereinbarung eine dem
Schulgesetz widersprechende
einseitige Einflussnahme auf das Schulgeschehen. „Schule
sollte ein Ort sein, an dem weder
einseitige Meinungsbildung betrieben wird, noch SchülerInnen
für den Krieg
angeworben werden“, so
die Meinung des Bündnisses.
Die von
Schulministerin Löhrmann angekündigten
Nachbesserungen der
Kooperationsvereinbarung sehen die zusammengeschlossenen
Gruppen nicht als
Lösung an. Die Bundeswehr verfüge über
hauptberufliche Jugendoffiziere und
einen millionenschweren
Werbeetat. Dem habe die Friedensbewegung als möglicher
Gegenpart im Unterricht zwar Kompetenz und
Erfahrung entgegenzusetzen, aber
eben nicht annähernd die gleiche personelle und finanzielle
Ausstattung.
„Wir bleiben dabei: Die Bundeswehr hat an den Schulen nicht verloren! Wenn sie werben will, soll sie das in ihren Kasernen tun. Politische Bildung gehört in die Hand der dazu ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer„ so Joachim Schramm von „Schule ohne Bundeswehr“ in seiner Rede vor den Demonstranten.
Am Rande der Mahnwache nahm der Staatsekretär im Schulministerium, Herr Hecke 1000 Unterschriften gegen die Einflussnahme der Bundeswehr auf den Unterricht entgegen, die das Bündnis in den letzen Monaten gesammelt hat. Darunter sind nach Angaben des Bündnisse neben zahlreichen Lehrern auch Prominente wie der Autor Roger Willemsen oder die Kabarettisten Jürgen Becker und Heinrich Pachl.
Schulausschuss des Landtages stimmte für Kooperationsvereinbarung
Mit den Stimmen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, FDP und CDU stimmte der Schulausschuss des Landtages am
16. März gegen einen Antrag der Linken, die
Kooperationsverteinbarung zwischen Schulministerium und Bundeswehr
aufzukündigen. Die Front der Ablehner sah eine große
Gemeinsamkeit, dass die Bundeswehr an die Schulen gehöre. SPD
und
Grüne wollen allerdings auch Friedensgruppen den Zugang zu
Schulen
ermöglichen.Mitglieder des Bündnisses "Schule ohne Bundeswehr NRW" versuchten mit bedruckten T-Shirts in der Ausschusssitzung ihre Position deutlich zu machen, wurden allerdings bei der Eingangskontrolle zum Aussziehen der T-Shirts aufgefordert. Die von uns mitgebrachte Begründung unserer Ablehnung des Kooperationsvertrages wurde an die Mitglieder des Ausschusses verteilt, allerdings waren die Positionen offensichtlich schon festgelegt. Nun emtscheidet abschließend das Landtagsplenum.
Mehr zu der Sitzung auch bei der zum Bündnis gehörenden Landesschülervertretung: http://lsvnrw.de/component/content/article/1-news/190-nrw-schulausschuss-verteidigte-kooperationsvertrag
Netzwerk "Schule ohne Bundeswehr NRW" gegründet"
Über 30 Menschen aus 18 Gruppen und Organisationen aus NRW trafen sich am 5. Februar in Düsseldorf und verständigten sich darauf, gemeinsam für die Abschaffung des Kooperationsabkommens aktiv zu werden, Aktionen vor Ort an Schulen anzustoßen und zu unterstützen sowie Angebote an Referenten und Materialien aus der Friedensbewegung zur Darstellung von Alternativen zur militärischen Sicht der Außen- und Sicherheitspolitik an Schulen zu erstellen. Erste Möglichkeit zur gemeinsamen Aktion ist die Abstimmung über den Antrag der Linken zur Kündigung der Kooperationsvereinbarung im Landtag/Schulausschuss.Hier unsere Presseerklärung.
Preesseecho: Rheinische Post
DFG-VK NRW sprach mit dem Staatssekretär im Schulministerium und stellt Experten in Schulausschuss-Anhörung
In der ersten Januarwoche fand im Schulministerium ein Gespräch zwischen Mitgliedern der DFG-VK NRW und dem Staatssekretär im Schulminsterium, Herrn Ludwig Hecke statt. Dazu weiter unten ein kurzer Bericht.Am 12. Januar führte der Schulausschuss des Landtag eine Anhörung zum Antrag der Fraktion "Die Linke" durch, die die Aufhebung der Kooperationsvereinbarung zwischen Ministerium und Bundeswehr fordert. Neben einem Vertreter der GEW und verschiedenen anderen Experten war Joachim Schramm, Landesgeschäftsführer der DFG-VK NRW eingeladen. Die vorab eingereichten Statements der Experten sind auf der Seite des Landtages abrufbar, inzwischen auch das Protokoll. Presseberichte findet man hier: Streit um Soldaten im Klassenzimmer Linke will Friedenserziehung
Bericht vom Gespräch mit Staatsekretär Hecke:
Zu Beginn betonte Herr Hecke, dass für das Ministerium eine ersatzlose Streichung der Kooperationsvereinbarung nicht in Frage käme. Allerdings solle die Kooperationsvereinbarung auch nicht in der derzeitigen Form bestehen bleiben, der Beutelsbacher Konsens solle als Grundlage der Kooperation betont werden. Wir bestätigten unsere Forderung als DFG-VK, die Kooperationsvereinbarung zu kündigen, da damit zunehmender Einfluss der Bundeswehr auf die Gestaltung des Unterrichts und auf die Lehreraus- und Weiterbildung möglich werde. Wir wiesen darauf hin, dass die Kooperationsvereinbarung dem Wunsch der Bundeswehr nach Rekrutenwerbung folge und dem des Verteidigungsministeriums nach Werbung für die Auslands- und Kriegseinsätze. Auch auf den Unterschied zwischen der Bundeswehrkooperation und anderen Kooperationen etwa mit der Polizei wurde hingewiesen. Herr Hecke betonte den Wunsch des Ministeriums zur Veränderung der Vereinbarung u.a. auch durch die Möglichkeit, Vertreter der Friedensbewegung in den Unterricht einzuladen. Allerdings sei durch die Aussetzung der Wehrpflicht z.Zt. noch gar nicht absehbar, welche Rolle Jugendoffiziere in Zukunft spielen würden. Gespräche mit der Bundeswehr werde es also eher in einem halben Jahr geben. Er sehe auch die Problematik, dass Vertreter der Friedensbewegung hauptsächlich ehrenamtlich tätig seien und daher auch gerade während der Schulzeit häufig nicht in der Lage, Termine wahrzunehmen. Wir verwiesen auf die Möglichkeit, von Seiten des Schulministeriums hier einen Finanztopf einzurichten, um für ehrenamtliche Kräfte der Friedensbewegung Fahrtkosten und Aufwandsentschädigungen zu finanzieren sowie die Erstellung von Unterrichtsmaterialien zu unterstützen. Auch mögliche Verweise auf Angebote der Friedensbewegung über den Bildungsserver des Schulministeriums sprachen wir an. Der Staatssekretär betonte sein Ziel, dass es innerhalb einer Unterrichtseinheit keinen isolierten Auftritt eines Jugendoffiziers geben solle. Entweder müsse ein Vertreter der Friedensbewegung hinzugezogen werden, oder der Lehrer müsse die alternativen Konzepte in diesem Bereich darstellen. Auf unsere Frage nach der Festlegung der Freiwilligkeit der Teilnahme der Schülerinnen und Schüler an solchen Veranstaltungen verwies Herr Hecke auf den Standpunkt des Ministeriums, prinzipiell keine Ausnahmen von der Teilnahmepflicht am Unterricht zuzulassen. Lediglich bei Veranstaltungen, die keinen Unterricht darstellten (z.B. Kasernenbesuche u.ä.) könne es eine Freiwilligkeit geben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es jenseits der Forderung nach Kündigung der Kooperationsvereinbarung Gesprächsbereitschaft beim Ministerium gibt. Die Einbeziehung von Positionen der Friedensbewegung in den Unterricht wird als wünschenswert angesehen. Allerdings ist der Weg dahin unklar, Finanzmittel dafür sind erst mal nicht vorgesehen. Vor dem Hintergrund der ausgetauschten Argumente ist ein Festhalten an der Kooperationsvereinbarung eigentlich nicht nachvollziehbar. Hier spielen wohl eher Gründe der Staatsräson eine Rolle.
Fachtagung "Bundeswehr und Schule" in Köln fand regen Zuspruch
Die Tagung "Bundeswehr und Schule" der DFG-VK NRW am 13.11. in Köln fand regen Zuspruch, anwesend waren u.a. Vertreter der LandesschülerInnenvertretung, der Kölner Initiative "Schule ohne Bundeswehr", der kirchlichen "Arbeitsgemeinschaft Dienst für den Frieden", des Aachener Friedenspreises und Aktive aus verschiedenen Ortsgruppen der DFG-VK. In der lebendigen Diskussion im Anschluss an die Input-Vorträge wurde einhellig die verstärkte Einflussnahme der Bundeswehr auf die Schule, aber auch auf die Lehreraus- und -weiterbildung abgelehnt, wie es z.B. auch die GEW Nordrhein-Westfalen in einem Beschluss auf ihremmichi Gewerkschaftstag im April getan hat. Vor diesem Hintergrund forderte auch die überwiegende Mehrheit der TeilnehmerInnen unserer Tagung die ersatzlose Kündigung der Kooperationsvereinbarung zwischen Bundeswehr und Schulministerium. Es wurde von TeilnehmerInnen darauf verwiesen, dass die Bundeswehr durch ihre Präsenz in Schulen, Arbeitsämtern und Berufsmessen auch versuche, Zustimmung zu dem in der Bevölkerung hoch umstrittenen Afghanistan-Einsatz zu erlangen. Gerade vor dem Hintergrund der wohl bald ausgesetzten Wehrpflicht wirke die Aktivität von Jugendoffizieren beabsichtigt oder unbeabsichtigt als Werbung um Freiwillige für Auslandseinsätze. Aus der Tagung entstand die Idee, sich zu weiteren Aktivitäten gegen die Bundeswehrpräsenz an Schulen zu vernetzen.
Realschule Kalkar gibt Unterricht an die Bundeswehr ab
Pädagogen und Schulleitungen am Niederrhein stehen stramm, wenn sich die Bundeswehr als Schule der Nation präsentiert. So wurden kurz vor den Ferien 55 Schülerinnen und Schüler der Gustav-Adolf-Hauptschule Goch, sowie des Gymnasium Aspel in Rees im Rahmen einer schulischen Veranstaltung in die Bundeswehrkaserne nach Wesel gefahren, um dort „Einblicke in das Leben der Soldaten“ (Pressemitteilung der Bundeswehr) zu bekommen. Dies wurde den Schülerinnen und Schülern dann als eine Art Abenteuercamping mit sportlichen Geländespielen und mit dem faszinierendem Gebrauch echter Waffen in einem „Schießkino“ vorgeführt, inklusive einem Wunschmenu aus der Truppenküche. Für die Schulleitung der Realschule Kalkar sind solcherart Militärerlebnistage anscheinend nicht genug. Sie toppte das Ganze mit einem Kooperationsvertrag zwischen Schule und örtlich stationierter Luftwaffe. Laut Kooperationsvertrag sollen ab September acht Schülerinnen im Rahmen des Projektes „Mädchen wählen Technik“ ein halbes Jahr lang einmal wöchentlich von Bundeswehrausbildern in der „Luftwaffenkampfführungsanlage“ Uedem unterrichtet werden. Bei dem Projekt sollen neben der „Förderung von technischen Interessen“ den Schülerinnen - laut Pressemitteilung der Bundeswehr – „wichtige Impulse zur Berufs- und Lebensplanung“ gegeben werden. Artikel darüber, die von der Presseabteiluing der Bundeswehr stammten , erschienen in zwei lokalen Anzeigenblättern und in dem lokalem Internetportal „Kle-point“. Kinder und Jugendliche dem Einfluss eines Militärapparates auszusetzen steht in fundamentalem Gegensatz zu Bildungszielen wie der Förderung gewaltfreier Konfliktlösungen, der Toleranz gegenüber anderer Kulturen und der Kritikfähigkeit gegenüber Manipulationen.(siehe auch Leserbrief der DFG-VK Kleve im Anhang) Es ist dringend geboten, den zunehmenden Einfluss der Bundeswehr auf die schulische Bildung zu stoppen. Auf Landesebene sollte das Schulministerium die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr umgehend aufkündigen.
Die Schulleitung der Realschule Kalkar sollte an ihre pädagogische Verantwortung erinnert werden. Ihre Entscheidung, der Bundeswehr Unterricht zu überlassen, ist zu revidieren. Entsprechende Schreiben, Anrufe, Mails an:
Städtische Realschule Kalkar
Am Bollwerk 14
47546 Kalkar
Tel. 02824-9999-41
Mail: sekreteriat@realschule-kalkar.de
Leserbrief der DFG-VK Kleve
"Die Schule der Nation ist die Schule"
Aufruf jetzt hier online unterzeichnen!
"Deshalb wehren wir uns gegen die zweckgeleitete Beeinflussung von Jugendlichen durch die Bundeswehr. Das Militär hat an Schulen, Arbeitsämtern, Bildungsmessen nichts zu suchen. Es darf keine Werbeanstrengungen, offen oder verdeckt, an den Schulen geben, keine Unterrichtseinheiten, die Schüler auf angebliche Sachzwänge orientieren statt eine gründliche Problemanalyse zu erarbeiten, keine Freizeiten, die mit Abenteuergeist und Technikfaszination ein geschöntes Bild vom Leben als Soldat vorspiegeln." So heißt es im Aufruf der Kölner Initiative "Schule ohne Bundeswehr", der jetzt auch online zu unterzeichnen ist.
